Nach nur einem dreiviertel Jahr intensiver Gespräche mit Politik, Verwaltung, Polizei und zuständiger Ämter haben wir eine Testfläche in Siegen am Betramspark ausweisen dürfen!
Hier könnt ihr euch jetzt ohne Kontrollen, Platzverbote und sonstiges offiziell treffen!

Einzige Regeln sind:

Müll in unsere neuen, selbstkonstruierten Mülleimer werfen und bitte in erträglicher Lautstärke treffen!

 

 

 

Hier die Dokumentation des Projektes:

 

 

 „Du bist gefragt! – Demokratie erleben“

 

 „MEETING Points in Siegen“

 

 Einleitung

 

 In den vergangenen Jahren hat der Stadtjugendring Siegen e.V. als Träger der Kinder-& Jugendfreizeiteinrichtung „BlueBox“ in Siegen bereits Projekte im Bereich der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Inhaltlich ging es dabei immer um die Vermittlung von demokratischem Grundverständnis und die Darstellung politischer Prozesse. Dieser Ansatz sollte nun vertieft, und noch deutlicher auf die individuelle Lebenswelt der teilnehmenden Jugendlichen zugeschnitten werden.

 

 Über diesen Zugang kristallisierte sich schnell nach Rücksprache mit Jugendlichen die Thematik „Treffpunkte für Kinder und Jugendliche in Siegen“ so genannte „Meeting Points“ heraus:

 

 Wo treffen sich Jugendliche in Siegen bzw. wo dürfen sie das überhaupt? Auslöser hierfür waren konkrete Beispiele aus dem angrenzenden Park der Einrichtung und dem gesamten Stadtgebiet. Jugendliche berichteten immer häufiger von Polizeikontrollen, Platzverweisen und der Verdrängung aus dem öffentlichen Raum.

 

 

 

 

Ziele des Projektes:

 

 Das Projekt sollte sich demnach auf zwei Ebenen abspielen:

 

 Zum einen die Veranschaulichung von demokratischen Strukturen und Prozessen, sowie die persönliche Bedeutung von politischer Arbeit auf lokaler und bundesweiter Ebene.

 

 Zum anderen die Bearbeitung eines ganz konkreten Beispiels, mit dem sich die Jugendlichen identifizieren können und an dem verschiedene Abläufe verdeutlicht werden können.

 

 Weitere Hintergrundziele. Kommunikationskompetenz, Organisieren lernen, Treffen und Exkursionen durchführen und moderieren, Interkultureller Austausch, Berührungsängste abbauen u.v.m

 

 Die Projektgruppe 2008/2009

 

 

Am Projekt nahmen in regelmäßigen Abständen 7 Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren teil (3 Jungen, 4 Mädchen). Ein für uns wichtiger Aspekt war die Mischung verschiedener Subkulturen und Orientierungen in der Gruppe. So rekrutierten sich die Teilnehmer letztlich aus Besuchern der Einrichtung und Jugendlichen, die über Freunde oder Mondpropaganda auf das Projekt aufmerksam geworden waren.

 

 

 

So bestand die Gruppe im Endeffekt aus den Vertretern aus Punk, HipHop und Alternative und bildete eine Interessengemeinschaft, um kollektiv an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten.

 

 

 

 Demokratie auf kommunaler Ebene am Beispiel „Meeting Points“:

 

 Fragestellungen zu fehlenden Treffpunkten für Jugendliche

 

 

In den regelmäßigen Treffen (mindestens 1x im Monat) wurden mit Hilfe von Brainstormings und Moderationskarten geklärt, wo die Jugendlichen sich mit ihren Freunden aktuell treffen und aufhalten. Zu diesem Zweck bekamen sie Einwegkameras mit denen sie ihr Umfeld in ihrer Freizeit festhalten sollten.

 

 Diese Orte wurden benannt bzw. fotografiert.

 

 Laut Angaben der Jugendlichen treffen sie sich an diesen Orten hauptsächlich an Wochenenden und in den Ferien, jedoch oft auch einfach immer wenn Zeit ist zum reden, mit Freunden treffen, trinken und Spaß haben in Gruppen von 3 bis 25 Personen. Die Probleme die benannt wurden sind vor Allem Konflikte mit Polizei und Ordnungsamt, Beschwerden von Passanten und Anwohnern und die Vorurteile denen sie sich die Jugendlichen ausgesetzt sehen (Alkoholmissbrauch, Drogenkonsum).

 

 In einem zweiten Schritt wurde der ideale Treffpunkt durch die Jugendlichen geplant und beschrieben. Deutlich wurde auch das Interesse der Gruppe nach Regeln und Eckpunkten wir Müllentsorgung, Toiletten und relativer Zentrumsnähe

 

 Bemerkenswert war es zu sehen, das es trotz der sehr gemischten Gruppe zu beinahe identischen Wünschen und Vorstellungen kam:

 

 

 

 

Aktion „MEETING POINT“

 

 Um diese Informationen nun an die entsprechenden Stellen weiterzuleiten, initiierten wir im Oktober 2008 einen jugendpolitischen Stammtisch zu unserer Thematik und luden alle Vertreter der verschiedenen Parteien ein. Sinn und Zweck sollte sein, Jugendliche und Politiker an einen Tisch zu bringen um Meinungen auszutauschen und gegenseitige Vorurteile abzubauen. Dabei kam es durchaus zu sinnvollen und nützlichen Gesprächen mit positivem Input von beiden Seiten.
 

 

Damit wurden die Zusammenhänge eines speziellen Themas wie eben Treffpunkte von Jugendlichen in Siegen mit der Politik auf kommunaler Ebene veranschaulicht.

 

 Ein weiteres Treffen mit Vertretern der Stadt Siegen, Polizei, Ordnungsamt und Grünfächenamt, wurde durchgeführt, da hier ein erhöhter Gesprächsbedarf festzustellen war. Diese Instanzen sind es offensichtlich, von denen sich die Jugendlichen ungerecht behandelt und vorverurteilt fühlen. Positiv ist hier die Diskussionsbereitschaft auf beiden Seiten anzumerken.

 

 Ein reger Austausch mit konkreten Ansätzen der Durchführung konnte erarbeitet werden. Die Projektgruppe sollte einen konkreten Vorschlag erarbeiten und hat dieses in zwei weiteren Meetings getan.

 

 Projektergebnis „Meeting Point“:

 

 Gemeinsam mit allen Vertretern der Kommunalpolitik und der Ämter wurde ein Treffpunkt für Jugendliche mitten in Siegen als „Feldversuch“ eingerichtet.

 

 Durch Beschilderung, die von den Jugendlichen erstellt wurden, zusätzliche Mülleimer und selbst entwickelte „Müllsackspender“ konnte der Bereich abgegrenzt und ausgestattet werden. Die Jugendlichen übernahmen nun die Aufgabe der Umsetzung, indem sie abendlich mit den Besuchern des Parks Gespräche führten und sie für diese Aktion gewinnen konnten. Im September 2009 fand ein erstes Auswertungsgespräch mit den Ämtern statt, die von der Umsetzung und vom Verhalten der Jugendlichen und der Besucher begeistert waren! Damit wird diese Fläche auch im Jahr 2010 weiterhin als „Meeting Point“ zur Verfügung stehen!

 

 Die Idee und die Ausstattung soll auf weitere informelle Treffpunkte innerhalb des Stadtgebietes übertragen werden.

 

 

 

 

 

Demokratie auf Bundesebene:

 

 Die Exkursion nach Berlin im Oktober 2008

 

 Wie schon in anderen partizipatorischen Projekten vorher geplant, stand mit den Projektteilnehmern eine Fahrt nach Berlin auf dem Programm. Hier sollte es im Besonderen um Politikverständnis im grundsätzlichen Sinne gehen. Durch ein abwechslungsreiches Programm sollte sowohl der Gruppenzusammenhalt gestärkt, als auch die verschiedenen Arbeitsweisen in und mit Politik beispielhaft erklärt werden.

 

 Plenarbesuch des Dt. Bundestag zum Thema „Starkstromleitungen in Deutschland“, als Lesung zu einem Gesetzesvorschlag.

 

 

Besonderheit der Sitzung war, dass es eine Unterbrechung gab, weil der Bundesrat an diesem Nachmittag die Zustimmung zum 480 Mrd.-Sicherungspaktes der Banken gegeben hatte.

 

 Treffen mit MdB Röspe aus Hagen

 

 Herr Röspe erläuterte in dem einstündigen Treffen den demokratischen Weg vom Wahlkreis in den Bundestag und seine eigene Funktion und Ausschusstätigkeiten.

 

 Er empfahl einen möglichen Weg, dass Arbeitsthema „Meeting Points“ auf den demokratischen Weg zu bringen und wie das ablaufen könnte.

 

 

 

Treffen im Ministerium für Familie, Senioren & Jugend

 

 

Eine Dame der Presseabteilung begrüßte die Gruppe mit einem kurzen Film der Ministerin von der Leyen zur Funktion und Aufbau des Ministeriums. Im Anschluss referierte sie über Themen wie Demographischer Wandel und die Auswirkungen.

 

 Auf viele detaillierte Fragen der Jugendlichen konnte die Referentin kaum Antworten geben.

 

 

 

Besuch der Gedenkstätte „KZ Sachsenhausen“

 

 

In einem eindrucksvollen Rundgang wurde die Geschichte des Nationalsozialismus und der Stalin-Diktatur anhand der vielen Exponate deutlich. Besonders äußerten die Jugendlichen ihre persönliche Betroffenheit, weil sie auf dem Boden standen und sich bewegten, auf dem viele Gefangene gelebt, gequält und getötet wurden. Der Besuch war gelebte Geschichte und die Auswirkungen von Diktaturen auf eine Gesellschaft wurden sehr nachdrücklich vermittelt!

 

 

 

Besuch der Gedenkstätte „Stasi- Gefängnis Hohenschönhausen“

 

 Ein ehemaliger Inhaftierter des Stasi- Knast schilderte sehr eindrücklich und persönlich die Funktion, Methode und den Aufbau der Sowjet- und DDR-Diktatur. Neben körperlicher Folter wurde überwiegend die psychologische Folter angewandt und verfeinert. Auch hier zeigten sich deutlich die Auswirkungen von Macht gegenüber anderen Menschen. Ein bewegender, eindrucksvoller Rundgang durch die dunklen Seiten der Geschichte der ehem. DDR.

 

 

 

Fazit:

 

 

In und um die Berlinfahrt wurden nochmals die zwei Ebenen in unserem Arbeitsansatz deutlich: Demokratie und Politik in Grundzügen aufzeigen und mit einem individuellen Beispiel greifbar machen.

 

 Resümee und Ausblick

 

 Die Jugendlichen haben im bisherigen Verlauf dieses Projektes deutlich gezeigt, dass sie definitiv eine eigene Meinung zu einer Vielzahl verschiedener Themen haben und daran interessiert sind, Problemstellungen zu bearbeiten und Lösungsansätze kompromissbereit voran zu treiben.

 

 In diesem Projekt war ein hoher Enthusiasmus und Einsatzwille zu spüren.

 

 Besonders bemerkenswert ist die bis heute gut funktionierende Arbeit in und mit einer sehr unterschiedlichen Gruppe von Jugendlichen.

 

 Bleibt also festzuhalten, dass Jugendliche politisch gehört werden wollen. Sie wollen ihre Bedürfnisse und Wünsche artikulieren und umsetzen.

 

 In Bezug auf das Arbeitsthema „Treffpunkte“ gibt es einen hohen Bedarf an ausgewiesenen Plätzen und/oder Räumlichkeiten für Jugendliche in Siegen an denen sie sich aufhalten, sich treffen sich selbst darstellen und verwirklichen können.

 

 Hier sind die verschiedenen Instanzen der Politik und der Jugendarbeit mehr denn je gefordert. Durch die Auseinandersetzung mit dem Thema der Treffpunkte konnten demokratische Prozesse nicht nur vermittelt, sondern in allen Facetten erlebt werden.

 

 Die Erfahrungen der Jugendlichen als ernsthafte Partner wahrgenommen zu werden, hat sie in ihrem demokratischen Engagement bestärkt und gefestigt.

 

 

...und das sind wir auch:

 

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Der Ducato für Vereine aus Siegen