Stadtjugendring Siegen e.V.

Konzeption der Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung Blue Box

Vorwort

1. Einleitung 
2. Arbeitsbereiche der Einrichtung
3. Zielgruppen
4. Ziele
4.1 Grundsätzliche pädagogische Rahmenbedingungen
4.2 Förderung der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen
4.3 Freizeitgestaltung
4.4 Beteiligung von Kindern und Jugendlichen
4.5 Kooperation und Vernetzung von Angeboten
5. Strukturelle Bedingungen
5.1 Träger
5.2 Lage der Einrichtung
5.3 Raum und Zeitkonzept
5.4 Mitarbeiter/-innen
5.5 Öffnungszeiten
6. Angebote/ Umsetzung
6.1 Für Kinder (6 bis 12 Jahre)
6.2 Für Jugendliche und junge Erwachsene (13 bis 27 Jahre )
6.3 Partizipationsmöglichkeiten
6.4 Cliquen und Gruppen
6.5 Vereine, Initiativen und Verbände
6.6 Kinder und Jugendliche außerhalb der Einrichtung
6.7 Kinder und Jugendliche in besonderen Lebenslagen
6.8 Kooperation mit Schule und Institutionen
6.9 Kooperation und Vernetzung von Angeboten
7. Qualitätssicherung
8. Öffentlichkeitsarbeit
9. Schlussbemerkung
• Anmerkung zur Gliederung:
Die Unterpunkte in der Gliederung sind keine Wertung oder Prioritätenliste.

 


 

 Vorwort:

 „Kinder und Jugendliche sollen in der Jugendarbeit selbst tätig werden können, Aktionen und Projekte selbst planen und umsetzen. Arbeitsinhalte und Formen mitgestalten, sich selbst organisieren können. Jugendarbeit unterscheidet sich damit von vielen anderen Bereichen der Jugendhilfe, die eher in Kategorien der Versorgung denken (Bundesminister für Jugend und Familie, Frauen und Gesundheit)". In der o.g. Aussage wird Jugendarbeit als ein Ort emanzipatorischen Lernens beschrieben. Dieses  ist die Grundlage für die Kinder- & Jugendfreizeiteinrichtung, darum ist die Partizipation von Kindern und Jugendlichen mehr als nur Beteiligung, sie  ist vielmehr ein  Prozess, in dem Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit zur Emanzipation gegeben wird. Die Kinder- und Jugendarbeit der Einrichtung BlueBox grenzt sich dadurch von z. B. einer Sozialstation oder einem Kinder-, Jugend- und Familienzentrum mit einem klassischen Versorgungsangebot ab.
Der ganzheitliche Ansatz in der Kinder- und Jugendarbeit ist Grundprinzip der Arbeit.

 Junge Menschen unterschiedlicher sozialer, geografischer, ethnischer, kultureller Herkunft und Orientierung besuchen die BlueBox. Gemeinsam ist allen das Bedürfnis, sich anderen Menschen verbunden zu fühlen und so anerkannt und akzeptiert zu werden, wie man ist. Ebenso ist der Wunsch selbst bestimmt zu handeln und zu leben und auf seine Umwelt Einfluss nehmen und etwas bewirken zu können ein grundlegendes Bedürfnis.

 Lebensbewältigung und Identitätsfindung bedeutet für viele Kinder und Jugendliche eine Herausforderung. Es ist nicht einfach sich zu orientieren, Raum zu finden, um eine eigenständige Persönlichkeit zu entwickeln und dem Leben positiv zu begegnen. In der Kinder- & Jugendeinrichtung lernen alle mit- und voneinander und erwerben soziale Kompetenzen. Diese Prozesse schließen Sozialarbeiter, -pädagogen & freie Mitarbeitende ein: sie lernen und verändern sich mit. Dabei nutzen sie die Ansätze und Methoden ihres Handlungsfeldes in dem Bewusstsein, dass keine einzige Methode menschliche Wärme, Aufrichtigkeit, Offenheit, Toleranz, Liebe und Anerkennung ersetzt.

 
1. Einleitung

1997 hatte die Aktion „Blue-Box - So wollen wir Leben" ihren Anfang. Bei dieser Aktion haben Kinder und Jugendliche beschrieben, wie sie sich eine Stadt oder einen Bereich in ihrer Stadt vorstellen, der nach ihren Wünschen und Bedürfnissen ausgerichtet ist. An dieser Aktion haben sich u.a. Kinder und Jugendliche aus dem Jugendtreff Altenhof und dem Haus der Jugend der Stadt Siegen beteiligt. Für ihre Ideen wurden die Kinder und Jugendlichen damals durch einen Preis ausgezeichnet. 2 Jahre nach dieser Auszeichnung ergab sich dann die Möglichkeit zur Planung einer neuen Kinder- und
Jugendfreizeiteinrichtung am Bertramsplatz „Siegen Stadtmitte". Im Mai 2000 hat der Rat der Stadt Siegen einstimmig beschlossen, eine neue Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung am Bertramsplatz zu planen. Die Planung der Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung wurde dann im Rahmen des Blue - Box –Projektes von Kindern und Jugendlichen in Begleitung des Siegener Zentrums für Kindheits-, Jugend- und Biographieforschung der Universität Gesamthochschule Siegen (SIZ) durchgeführt. Die Kerngruppe in diesem Planungsprozess waren Jugendliche und junge Erwachsene aus dem zu diesem Zeitpunkt schon geschlossenen Haus der Jugend und dem Jugendtreff Altenhof, begleitet vom SIZ. Weitere Beteiligte in dem Planungsprozess waren die Mitarbeiter/innen des Stadtjugendamtes, der Abteilung Stadtentwicklung
und der Abt. Hochbau der Stadtverwaltung Siegen sowie der FB Architektur der Universität Gesamthochschule Siegen und der Stadtjugendring Siegen e.V. (Zusammenschluss der Gruppen und Verbände in Siegen).
Durch eine Kinder- und Jugendbefragung in Schulen und Treffpunkten, die durch die Kerngruppe erarbeitet und umgesetzt wurde, konnte anschließend zusammen mit den anderen Prozessbeteiligten ein Raumkonzept für die Kinder- und Jugendfreizeit-einrichtung erarbeitet werden. Ein zweiter Strang in den Überlegungen zu einer neuen Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung am Bertramsplatz war die Frage der Trägerschaft. Auf der Grundlage der Befragung der Kinder und Jugendlichen und der Idee, eine neue Einrichtung mit Lage in Stadtmitte Siegen zu schaffen, hat der Rat der Stadt Siegen beschlossen, die Trägerschaft der Einrichtung an den Stadtjugendring Siegen e.V. abzugeben. Die dabei erarbeiteten Verträge basieren auf einer engen Kooperation mit dem Jugendamt der Stadt Siegen.

Gemeinsam mit den Jugendlichen wurde im März 2004 ein Wettbewerb zum „Namen“ der Einrichtung ausgeschrieben. Dort setzte sich der Namen „BlueBox“ durch, er bezieht sich auf den medialen Begriff eines immer gleichen Umfelds mit wechselnden Inhalten sowie auf den Aufbau und die Farbe des bestehenden Gebäudes.

 

2. Arbeitsbereiche der Einrichtung

Die Kinder-& Jugendfreizeiteinrichtung BlueBox des Stadtjugendring Siegen e.V. gliedert sich in fünf Arbeitsbereiche:

- Offene Arbeit mit Kindern
- Offene Jugendarbeit
- Jugendkulturarbeit
- Schulsozialarbeit
- Zusammenarbeit mit Vereinen, Verbänden und Institutionen


3. Zielgruppen

· alle Kinder (6-12 Jahre)
· alle Jugendliche und junge Erwachsene (13-27 Jahre)
· Cliquen und Gruppen
· Vereine, Initiativen und Verbände

 

4. Ziele

4.1. Grundsätzliche pädagogische Rahmenbedingungen

„Jungen Menschen sind die zur Förderung ihrer Entwicklung erforderlichen Angebote der Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen. Sie sollen an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und gestaltet werden, sie zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anregen und hinführen.“ ( SGB VIII § 11 (1) )

· Ziel der Einrichtung ist es, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Freizeitgestaltung (4.3) zu ermöglichen und jugendpflegerische Aufgaben (4.2 Förderung der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen) im Rahmen der offenen Kinder- und Jugendarbeit wahrzunehmen. Im freizeitpädagogischen Angebot und im jugendpflegerischen Angebot werden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gem. ihres Entwicklungsstandes (SGB VIII § 8 (1) Satz 1) beteiligt (4.4).

· Neben eigenen Angeboten findet eine Kooperation und Vernetzung (4.5) mit anderen Trägern der Jugendarbeit sowie Schulen und deren Angebote statt.

Freiwilligkeit, Interessenorientierung, Partizipation/Selbstorganisation, Diskursivität (Aushandeln), sowie Beziehung und Anerkennung sind unerlässliche Prinzipien bei der Umsetzung dieser Ziele.

Die Einrichtung ist geprägt durch Offenheit und Toleranz im Rahmen einer politisch, religiös und kulturell unabhängigen Angebotsstruktur. Unser demokratisches Grundverständnis verbietet jegliche Art von menschenverachtenden, extremistischen und grundgesetzfeindlichen Gesinnungen.

 Die Einrichtung unterstützt und fördert das Recht auf Unterschiedlichkeit und die Möglichkeit, sich von geschlechtlichen Konstrukten und Zielbestimmungen zu lösen. Dieses findet in der BlueBox auf allen Ebenen statt. Es werden getrennte Angebote vorgehalten, wenn es sinnvoll erscheint. Gemeinsame Aktionen werden geschlechterübergreifend integrativ für alle Personen initiiert. Hiermit werden die Kinder und Jugendlichen auf ihren Weg zum Erwachsenwerden und zur eigenen Identität begleitet.

 

4.2 Förderung der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen

„Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.“ (SGB VIII § 1 Abs. 1)

Das jugendpflegerische Angebot baut auf das freizeitpädagogische Angebot auf und unterstützt Kindern und Jugendliche bei der Bewältigung ihrer Alltagsprobleme.

Ziel ist es, für Kinder und Jugendliche Angebote im Sinne des § 13 KJHG (1, 2, 4) „Jugendsozialarbeit“, Angebote im schulischen Kontext, geschlechterorientierte Angebote, Angebote im Übergang von Schule zu Beruf etc. vorzusehen.

 

4.3 Freizeitgestaltung

Die Ermöglichung von Freizeitgestaltung erfolgt  durch die Bereitstellung von Räumen, Materialien und sonstigen Ressourcen und durch Aktionen und Projekte.

Die Freizeitgestaltung  ermöglicht die Förderung und Begleitung von Kindern und Jugendlichen und jungen Erwachsenen neben Schule, Beruf und Elternhaus.
In der offenen Arbeit gilt das Prinzip der Freiwilligkeit, des uneingeschränkten Zugangs und der Offenheit der Angebote.

 

4.4 Beteiligung von Kindern und Jugendlichen

„ Kinder und Jugendliche sind entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen“. (SGB VIII § 8 (1) Satz 1)
„...identifizieren sich Jugendliche mit „ihrem“ Jugendhaus, wenn sie es selbst mitgestalten können. Diese Identifikation gilt auch für die dort geltenden Regeln des Zusammenlebens, für die Inhalte der Aktivitäten und Beziehungen.
Zu diesem Kreislauf von Partizipation, Identifikation und Integration gibt es in der Jugendarbeit keine pädagogische Alternative, die dem Leitziel der Emanzipation verpflichtet blieb." ( aus Storck: „Jugendhilfeplanung ohne Jugend ?" – Münsteraner Schriften zur Sozialpädagogik, Bd. 3 - )

Ziel ist es, die Arbeit in der Einrichtung als einen Ort emanzipatorischen Lernens zu gestalten.

Durch politische Bildung und emanzipatorisches Lernen sollen Kinder und Jugendliche fortwährend motiviert und bestärkt werden, sich in der Einrichtung aktiv zu beteiligen. Den Kindern und Jugendlichen werden  Möglichkeiten der Beteiligung aufgezeigt

 Beteiligungsverfahren und -mechanismen werden erprobt und angewendet (vgl. SGB VIII, § 8).

 

4.5 Kooperation und Vernetzung von Angeboten

 Durch die Trägerschaft (Stadtjugendring Siegen e.V.) ergeben sich für die Einrichtung neue Möglichkeiten und Ansätze, Angebote der Kinder- und Jugendarbeit regional zu vernetzen. Die Einrichtung ist eine Plattform, Informationen über die verschiedensten Angebote im Bereich der Kinder- und Jugendarbeitsaktivitäten zu erhalten.

 

5. Strukturelle Bedingungen

 

5.1 Träger

Träger der Einrichtung ist der Stadtjugendring Siegen e.V.

 

5.2 Lage der Einrichtung

Die zentrale Lage der Einrichtung im Bereich der Stadtmitte von Siegen mit sehr günstiger Verkehrsanbindung ermöglicht es, Kinder, aber gerade auch Jugendliche und junge Erwachsenen aus einem weiteren Umfeld als Zielgruppe einzubeziehen.

 

5.3 Raumnutzungskonzept

Das unten beschriebene Raumkonzept unterstützt die Arbeit mit einzelnen Zielgruppen. Darüber hinaus muss aufgrund der beschränkten räumlichen Ressourcen eine zeitliche Zuteilung bestimmter Räume für einzelne Zielgruppen erfolgen, bei der alle beteiligt werden.

Die nutzbare Fläche im Gebäude umfasst ca. 1.250 m² auf 2 Etagen.

Das Untergeschoss umfasst ca. 685 m².

- Flure, Eingangsbereich, Treppenaufgang
- 2 Toiletten (24 m²), 1 behindertengerechte Personaltoilette (3 m²)
- 4 Büroräume (zus. 50 m²)

Jugend- und junger Erwachsenenbereich:
- Werkstatt mit Lager (zus. 41 m²)
- Musikwerkstatt (2 Proberäume + Tonstudio + Lager, zus. 67 m²)
- zwei Proberäume im Trafohaus (zus. 45m²)
- Cafeteria mit Theke, Küche und PC-Bereich (150 m²)
- Mehrzweckraum mit Bühne und Disco (166 m²)
- Ruheraum im Anbau (35 m²) 

· Das Raumangebot ist primär für Jugendliche und junge Erwachsene bestimmt. Die Nutzung der Räumlichkeiten für Kinder muss über eine zeitliche Zuteilung erfolgen.

Das obere Geschoss umfasst ca. 600 m².

- 2 Toiletten (zus. 24 m²), 1 Personaltoilette (3 m²)
- 1 Raum für Technik (Lüftung, Heizung) (12 m²)
- Flure, Treppenbereich

Kinderbereich:
- 4 Gruppenräume (zus. 80 m²)
- 1 Bastelraum (28 m²)
- 1 Kinder-Ruheraum (18 m²)
- 1 Kreativraum (66 m²)
- 1 Kochbereich (30 m²)
- 2 Lagerräume (35qm)
- 1 Mehrzweckraum (Toberaum / Tischtennis, Tanz) (87 m²)
- 1 Billard- und Kickerraum (31 m²)
- 1 Mehrzweckraum (Tanzraum)(54 m²)
- 2 Seminarräume (je 19 m²)
- 1 Computerraum (19 m²)·

Der Kinderbereich gibt Kindern die Möglichkeit, ohne Einfluss von älteren Jugendlichen ihre Freizeit zu gestalten oder Angebote im Rahmen der Arbeit mit Kindern wahrzunehmen. Die Nutzung dieser Räumlichkeiten ist daher für Ältere nur außerhalb der Angebotszeiten für Kinder möglich.

 

5.4 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Das Mitarbeiter/-innenteam setzt sich aus hauptberuflichen, ehrenamtlichen Mitarbeiter/-innen, Honorarkräften und Praktikantinnen und Praktikanten zusammen.

Zum pädagogischen Selbstverständnis der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:

„Wir wollen Beziehungsbegleiter zu und zwischen den Kindern und Jugendlichen sein, ohne unsere Individualität zu verschweigen. Dazu zählen die Ehrlichkeit und das „Echt sein“ des Einzelnen. In das Gesamtsystem bringen wir dazu unsere Kompetenzen mit ein.

Als Vertrauenspartner wollen wir Jugendlichen eine Stimme geben und im Dialog das Verhalten in verschiedensten Situationen spiegeln.

Wir begleiten und moderieren, sind Prozessbeobachter und ermutigen somit die Besucher sich zu selbstbewussten Persönlichkeiten zu entwickeln.“
Quelle: „Das Planetenmodell“, BlueBox 2009

 

5.5 Öffnungszeiten

Es werden weiterhin möglichst umfangreiche Öffnungszeiten des Hauses angestrebt. Die Öffnungszeiten orientieren sich an den Bedürfnissen der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen und sind auf die Angebote in der Einrichtung abgestimmt. Darüber hinaus müssen die Öffnungszeiten auf die vorhandenen personellen Ressourcen überprüft werden.

 

6. Angebote/ Umsetzung

Um die unter 4 genannten Ziele in der Einrichtung zu erreichen ist ein Angebot erforderlich, das jeweils auf und mit der einzelnen Zielgruppe abgestimmt ist. Es soll u.a. bei der Angebotsstruktur auch darauf geachtet werden, dass sowohl „Peer Groups" wie auch einzelne Personen erreicht werden können.

 Professionelle Beziehungen sind Grundlage der Umsetzung aller Angebote, damit ist die Beziehungsarbeit keine Methode sondern ein Grundprinzip der Arbeit! Beziehungen in der BlueBox leben von der Unterschiedlichkeit der „gelebten“ Persönlichkeiten aller Mitarbeitenden mit dem Auftrag, den Einzelnen zu sehen, zu respektieren und  Anerkennung der Persönlichkeit zu vermitteln. Über professionelle Beziehungen entsteht ein „Gegenüber“, an dem sich die Kinder und Jugendlichen offen reiben, ausprobieren und Grenzen erproben können, ohne Gefahr zu laufen, haltlos oder grenzenlos ihren Weg zu erforschen.

 Bei der Entwicklung von Angeboten werden auch die Schulen im direkten Einzugsgebiet der Einrichtung einbezogen.

 Zu den Schwerpunkten der Kinder- und Jugendarbeit gehören:

 1. außerschulische Kinder- und Jugendbildung mit allgemeiner, politischer, sozialer, gesundheitlicher, kultureller, naturkundlicher und technischer Bildung.
2. Kinder- und Jugendarbeit in Sport, Spiel und Geselligkeit,
3. Arbeitswelt-, schul-, und familienbezogene Kinder- und Jugendarbeit,
4. Internationale Jugendarbeit,
5. Kinder- und Jugenderholung wird überwiegend über die Kooperation mit Vereinen abgedeckt

 

6.1 Für Kinder ( 6 - 12 Jahre )

 · „Das Miteinander im Spiel steht für die Kinder im Vordergrund" Rückzug und Entspannung, Basteln, Werken, Musik und Ausflüge sind weitere von den Kindern geäußerten Bedürfnisse“. ( Befragung zur Blue Box Aktion, 2001 )

 · Bei Kindern stellen die Bereiche Kreatives, Spiel und Bewegung das Kernangebot dar.

 Mögliche Methoden der Umsetzung:

 · Bereitstellung des Kinderbereiches für die ausschließliche Nutzung für Kinder von 6-12 Jahren. Begleitet werden die Kinder von den  Mitarbeiter/-innen der Einrichtung. Die Kinder haben die Möglichkeit, die vorhandenen Räume, Materialien und anderen Ressourcen ihres Bereichs zu nutzen.

 · Bewegungsangebote im „Toberaum" und "Tanzraum"

 · Einmalige Workshops aber auch regelmäßige Bastel-, Werk-, Koch- und Spielangebote.

 · Musikpädagogische Angebote wie Probe- und Übungszeiten für Musikgruppen und Einzelpersonen, Demoaufnahmen, Workshops, Musik-Videoclips drehen, Veranstaltungen

 · Angebote mit den zur Verfügung stehenden Medien wie Computer, Fernsehen...

 · Freizeitangebote außerhalb der Einrichtung wie Ausflüge und Fahrten.

 · „Disco" für Kinder

 · Sportangebote innerhalb und außerhalb der Einrichtung

 · Räume, um Hausaufgaben zu machen, ggf. mit Unterstützung von Fachpersonal

 
6.2 Für Jugendliche und junge Erwachsene (13 - 27 Jahre )

„Disco, Musik, Billard, Kicker, Computer, Internet, Gesellschaftsspiele, Kreativangebote etc., Essen & Trinken und in gemütlicher Atmosphäre Freunde treffen, sind einige der Wünsche der Jugendlichen. Der Sportbereich wird eher von jüngeren Jugendlichen angeführt, wobei ältere Jugendliche den Fitnessbereich genannt haben (aus der Befragung im Rahmen der Blue Box Aktion, 2001).

Bei der Gestaltung der Angebote wie auch im konkreten Arbeitsablauf werden die Jugendlichen mit einbezogen. Mit Begleitung können Jugendliche und junge Erwachsene selbst einzelne Angebote übernehmen.

Mögliche Methoden der Umsetzung / Planetenmodell

 Das Bild eines Planetenmodells soll die Arbeit im offenen Bereich der Jugendlichen innerhalb der Kinder-& Jugendfreizeiteinrichtung BlueBox verdeutlichen.

 Es besteht aus zwei Elementen, die immer in Wechselwirkung zueinander stehen, d.h. aus dem Offenen Bereich in die Angebote, aus den Angeboten in den offenen Bereich.

 Die SONNE (Offener Bereich)

Im Zentrum der Galaxie liegt die „Sonne“, der offene Treff, also der Bereich, in dem die offene Arbeit mit den Jugendlichen stattfindet, räumlich gesehen der Bistrobereich. Das Offene Angebot in der Cafeteria besteht unter anderem aus mit dem Verleih von Gesellschaftsspielen, Internetcafe, Billard, Kicker, Essen und Getränken. Die Cafeteria und der offene Bereich dienen als Treffpunkt und Anlaufstelle für Jugendliche und junge Erwachsene. Als Kommunikationsschnittstelle bietet der offene Bereich die Möglichkeit der Auseinandersetzung und Begegnung, der Information, der Selbstdarstellung, der ungezwungenen Unterhaltung, der Kontaktaufnahme. Das Angebot soll von haupt- oder ehrenamtlichen Mitarbeiter/-innen begleitet werden. Der Theken- und Küchendienst soll von „Thekengruppen“ und ehren- oder hauptamtlichen Mitarbeiter/-innen bestritten werden.

 Elementarteilchen der Sonne:

 „Wir bieten mit der Sonne einen Schon-/ Schutzraum für die jugendlichen Besucherinnen und Besucher vor Eingriffen und Belastungen aus Schule, von Eltern, im Beruf oder anderen kontrollierten Eingriffen der Erwachsenenwelt.

 Dabei betrachten wir den Menschen als Ganzes und ermöglichen ein soziales Lernfeld zur Persönlichkeitsentwicklung und Bildung. Oftmals ist die Sonne auch das zweite Zuhause, ein sanktionsarmer Ort zum Ausprobieren, der mit möglichst wenig Regeln auskommt, um den Dialog mit den Jugendlichen heraus zu fordern.

 Daraus ergibt sich ein Kommunikationszentrum unter Jugendlichen und zwischen Jugendlichen und der Erwachsenengesellschaft, in dem ein Klima der Akzeptanz und der Toleranz Grundlage sein soll.

 In der Sonne soll Demokratie ermöglicht und erlebt werden, ohne die Individualitäten der Besucher außer Acht zu lassen.

 Grundlage dafür ist ein Positivansatz, das heißt, im Umgang und im Miteinander werden zuerst Ressourcen der Jugendlichen beobachtet ohne die Benachteiligungen und Probleme zu vernachlässigen!“

 

Die PLANETEN (Workshops, AG’s, Projekte, Initiativen)

Im Sinne des Planetenmodells bewegen sich rund um die „Sonne“(Offener Bereich) einzelne „Planeten“. Das können spontan oder langfristig geplante Workshops, AG’s, Projekte oder Initiativen sein, die sich für einen von den Jugendlichen festgelegten Zeitraum zusammen finden.

 Das können sein:

 · Kreativ/handwerkliche Angebote, wie eigenständige kreative Gestaltung, Reparaturen aber auch feste Gruppenangebote nach den Bedürfnissen der Jugendlichen.
· Musikpädagogische Angebote wie Probe- und Übungszeiten für Musikgruppen und Einzelpersonen, Demoaufnahmen, Musik-Videoclips drehen, Veranstaltungen, Workshops.
· Sportangebote wie Fußballtraining, Basketballtraining, Tischtennis, Durchführung von Turnieren (Billard, Schach, Fußball, Kicker,...)
· Tanz und Theaterworkshops
· Projektorientierte Angebote
· Themenorientierte Angebote
· Jugendpolitische Angebote
· Jugendkulturelle Angebote / Events

 · Für junge Erwachsene soll zudem die Möglichkeit gegeben werden, als ehrenamtliche Mitarbeiter/-innen in der Einrichtung tätig zu werden.

 Entstehung von Planeten

 Zur Entstehung von einzelnen Planeten werden nachfolgende Zugangswege als mögliche Ansätze verfolgt.

 -          aus der Beobachtung innerhalb der Sonne

 -          Vorschläge und Ideen der Jugendlichen

 -          Angebote der BlueBox vom Mitarbeiterteam, Ehrenamt oder Honorar

 -          Vereinskooperationen

 -          Schulkooperationen

 -          Situationsbezogene Projekte

 -          Vorschläge des Hausparlaments / der Musikerkonferenz

 -          Vorschläge von außen einholen

 -          Planetenbeauftragter (aus dem Team) als Koordinator

 

Organisation und Durchführung:

 Grundprinzip ist hier die Beteiligung der Jugendlichen schon in der Planung und besonders an der Durchführung, um eine breite Akzeptanz der Aktivität zu erreichen!

 Grundsätzlich kann jeder einen Planeten starten. Nach einer kurzen Konzeptionierung soll das Angebot dem Team vorgestellt werden.

 Überprüft werden müssen Personalressourcen, Begleitung und die Finanzierung des Angebots. Wenn möglich soll auf Vereine und Institutionen zurückgegriffen werden, andernfalls können Honorarkräfte / Praktikanten für das Projekt eingesetzt werden.

 Die Durchführung sollte eigenständig erfolgen. Ein Koordinator der Einrichtung steht als Ansprechpartner zur Verfügung.
Quelle: „Das Planetenmodell“, BlueBox 2009

 

6.3. Partizipationsmöglichkeiten

 Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist grundsätzliches Arbeitsprinzip! Wie sich im konkreten die Beteiligung gestalten soll, muss im Einvernehmen mit den Beteiligten abgestimmt werden.
Es ist sowohl die Beteiligung im Rahmen der Gesamteinrichtung, z. B. Gremien, Runder Tisch, Vollversammlung, Hausparlament, Hausrat, Leitungsteam (indirekte oder auch direkte Beteiligung der Kinder und Jugendlichen) oder andere Methoden der Partizipation, wie auch die Beteiligung in Angeboten und Projekten etc. festgelegt und wird ständig weiterentwickelt.

 

6.4 Cliquen und Gruppen

 Neben Einzelpersonen gibt es in der Einrichtung auch für Cliquen und Gruppen die Möglichkeit, ihre Freizeit gemeinsam zu gestalten. Bei der Nutzung der Einrichtung durch Gruppen besteht die Möglichkeit in die Struktur des Gesamtangebotes eingebunden zu werden.

 Mögliche Methoden der Umsetzung

 · Bereitstellung von Räumen, Materialien und sonstigen Ressourcen.

 · Angebot der Unterstützung durch Fachkräfte auf Anfrage.

 · Die Gruppen haben die Möglichkeit, die Infrastruktur des Hauses zu nutzen um sich zu treffen.

 · Durchführung von Discos, Theater, Veranstaltungen etc.

 · Workshopangebote, Wochenendseminare etc.

 

6.5 Vereine, Initiativen und Verbände

Mit der Trägerschaft durch den Stadtjugendring Siegen e.V. wird Vereinen, Initiativen und Verbänden angeboten, die Einrichtung für eigene Veranstaltungen – im Rahmen der generellen Zielsetzung des Hauses - zu nutzen. Die Kooperationen auch im personellen oder inhaltlichen Rahmen erweitert die Angebotsplattform für die Kinder und Jugendlichen, indem sie die Angebote der Vereine nutzen können. Damit kann eine Vernetzung zwischen dem Ehrenamtlichen und dem Hauptberuflichen in Bezug auf Kompetenzen und Ressourcen erfolgen.

 

6.6 Kinder- und Jugendliche außerhalb der Einrichtung

Bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen außerhalb der Einrichtung (aufsuchende Arbeit) gibt es Kooperation mit anderen Einrichtungen und Institutionen.

 

6.7 Kinder und Jugendliche in besonderen Lebenslagen

Kinder und Jugendliche in besonderen Lebenslagen sind zuerst einmal integrierter Teil der gesamten Zielgruppe. Darüber hinaus gibt es für sie spezielle Angebote als Hilfe zur Lebensbewältigung, die sie im Sinne des SGB VIII, §13 unterstützen.

Mögliche Methoden der Umsetzung

· Krisenintervention
· Vernetzung und Herstellung von Kontakten
· Information und Aufklärung
· Schulsozialarbeit
· Elternarbeit

 

6.8 Kooperationen mit Schulen und Institutionen

Eine Kooperation mit Schulen und Institutionen baut auf der Grundlage/Konzeption der BlueBox auf. Jede Kooperation orientiert sich an den Interessen und Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen. Das Aushandeln der Rechte und Pflichten der Kooperationspartner darf sowohl inhaltlich, fachlich als auch finanziell nur auf gleicher Augenhöhe erfolgen. Die Kinder und Jugendlichen können bei diesen Prozessen und deren Ausgestaltung mitbestimmen.

 

 6.9 Kooperation und Vernetzung von Angebot

 Durch die Trägerschaft - mit dem Zusammenwirken der im Stadtjugendring Siegen e.V. zusammengeschlossenen Vereine und Verbände und der Kooperation mit dem Jugendamt der Stadt Siegen - ergibt sich für die Einrichtung eine neue und besondere Möglichkeit, Angebote der Kinder- und Jugendarbeit regional zu vernetzen. Die Einrichtung ist eine Plattform für die verschiedenen Angebote im Bereich der Kinder- und Jugendaktivitäten. Die Trägerschaft durch den Stadtjugendring Siegen e.V. bietet den Rahmen, das freizeitpädagogische Angebot zu erweitern und weiterzuentwickeln.

 Daneben gibt es eine Zusammenarbeit mit anderen Institutionen / Trägern.
Für Netzwerke, besonders im Bereich der freizeitkulturellen, musikpädagogischen und sportpädagogischen Angebote, werden die unterschiedlichen Kompetenzen im Sinne einer bestmöglichen Arbeit zusammen gebracht.

 Dies gilt besonders auch für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in besonderen Lebenslagen.

 

7. Qualitätssicherung

 Die Grundlagen für die erste Konzeptentwicklung basieren auf der Befragung im Rahmen der Blue Box Aktion an Schulen und Treffpunkten, den Ideen der „Kerngruppe", den Erfahrungen der Mitarbeiter/-innen der Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen Altenhof und Haus der Jugend und der Verwaltung des Jugendamtes und den Erfahrungen und Vorschlägen von ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter/-innen aus den verschiedensten Verbänden, die im Stadtjugendring Siegen e.V. zusammengeschlossen sind.

 Die Konzeption wurde 2011 überarbeitet, ergänzt und den neuen Ansprüchen an die Kinder- und Jugendarbeit angepasst.
Die Sicherung der Arbeitsqualität im Haus wie auch die Überprüfung der konzeptionellen Vorgaben (Zielerreichung, Effizienz und Effektivität) sind Bestandteile der Qualitätssicherung.
Zur Umsetzung dienen u.a.
· regelmäßige Teambesprechungen mit allen Mitarbeiter/-innen
· Evaluation von Angeboten im Sinne der Konzeption (mit Kindern und Jugendlichen)
  Klausurtage
  Übergreifender Arbeitskreis mit dem Träger und Vereinen
· Supervision (wenn erforderlich)
· Fort- und Weiterbildungen der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter/-innen
· Anleitung, Beratung und Unterstützung der in der Arbeit tätigen ehrenamtlichen Personen durch die hauptberuflichen Mitarbeiter/-innen im Sinne des § 73 SGB VIII

 Die Qualitätssicherung ist im Kontext des durch den Landesjugendplan vorgesehenen Wirksamkeitsdialogs dynamisch weiterzuentwickeln.

 

8. Öffentlichkeitsarbeit

 Kinder- und Jugendarbeit ist einem ständigem Wandel unterworfen und bedarf ihrer Erläuterung und Reflexion in der Öffentlichkeit. Sie dient darüber hinaus dazu, Kinder, Eltern und Kooperationspartner über die Einrichtung zu informieren.
Die in der Einrichtung aktiven Kinder und Jugendlichen erfahren so auch eine Bestätigung in der Öffentlichkeit.

 Folgende Schwerpunkte sind Standards der Öffentlichkeitsarbeit der Jugendeinrichtung:

 · Neue Medien (Internet etc.)
· Zusammenarbeit mit den öffentlichen Medien
· Elterninformation
· Sozialraumorientierter Informationsfluss
· Information des Jugendhilfeausschusses
  Veröffentlichung eigener Medienprodukte wie Programmhefte oder Hauszeitungen
  Gestaltung eines Schaukastens

 

9. Schlussbemerkung:

 Als sozial innovative Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung möchte die BlueBox unter der Trägerschaft des Stadtjugendring Siegen e.V. aktuelle Einflüsse auf die Zielgruppen erkennen, aufgreifen und gemeinsame Strategien entwickeln. Dabei gilt die Verzahnung mit dem ehrenamtlichen Bereich, mit neuen wissenschaftlichen Ansätzen, der aktuellen politischen Diskussion und der hauptberuflichen Kompetenz als Motor für eine zeitgemäße und zielgruppenorientierte Kinder- und Jugendarbeit in Siegen.

 

...und das sind wir auch:

 

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